Hen 2-169 und PCG 11 – Planetarischer Nebel und Wolf-Rayet-Ring im Sternbild Norma
Am östlichen Rand des Sternbilds „Norma“ kann man zwei kleine, jedoch bemerkenswert unterschiedliche Nebel in unmittelbarer Nachbarschaft am Himmel entdecken: den bipolaren planetarischen Nebel Hen 2-169 und den Ringnebel PCG 11.
Hen 2-169 gehört zur Klasse der bipolaren planetarischen Nebel. Diese weisen eine ausgeprägte Zweiteilung auf, die in der Regel auf einen Begleitstern oder starke Magnetfelder im Vorläuferstern zurückgeführt wird. Das austretende Gas wird entlang der Polachse zu charakteristischen, entgegengesetzt gerichteten Blasen geformt, und verleiht dem Objekt so sein typisches schmetterlingsähnliches Erscheinungsbild. In der Aufnahme zeigt Hen 2-169 neben einem kompakten zentralen Bereich, schwache krabbenartige Ausläufer. Die Entfernung beträgt etwa 8700 Lichtjahre (±1700 Lichtjahre) bei einer Gesamtausdehnung von rund 2,5 Lichtjahren. Der hellere Zentralteil ist bereits in der reinen RGB-Aufnahme erkennbar, die Ausläufer treten erst in der Hα-gefilterten Aufnahme hervor.
PCG 11 ist ein Emissionsring um einen zentralen Wolf-Rayet-Stern. Wolf-Rayet-Sterne sind massereiche Sterne in einem späten Entwicklungsstadium, mit außergewöhnlich starken Sternwinden von mehreren tausend Kilometern pro Sekunde. Dieser intensive Sternwind schiebt das umgebende interstellare Medium und zuvor abgestoßenes Sternmaterial zu einer expandierenden Blase zusammen. Im Fall von PCG 11 entsteht dabei eine ovale Form von rund 105 x 80 Bogensekunden, was einer realen Ausdehnung von etwa 8 x 6 Lichtjahren entspricht. Die „Stärke“ des Rings beträgt etwa 0,8 Lichtjahre. Mit einer Entfernung von rund 16 000 Lichtjahren (±1400 Lichtjahre, aus Gaia-Messungen des zentralen Sterns) liegt PCG 11 nahezu doppelt so weit entfernt wie Hen 2-169. Das markanteste Merkmal ist die auffällige Zackung entlang der inneren Ringkante, die mich an das geöffnete Maul eines Hais mit hervorstehenden Zähnen erinnert. Sie wird auf Rayleigh-Taylor-Instabilitäten zurückgeführt, die auftreten, wenn eine dichtere Gasschicht auf eine Gasschicht geringerer Dichte trifft und dabei fingerartige Einbuchtungen bildet (Cohen et al., Mon. Not. Roy. Astron. Soc. 360, 1439-1447, 2005).
Beide Nebel emittieren überwiegend in den Hα- und [NII]-Linien, die vom verwendeten Hα-Filter gemeinsam erfasst werden. Da in der Literatur keine signifikanten [OIII]-Emissionen von beiden Nebeln detektiert wurden, habe ich hier auf zusätzliche [OIII]-Aufnahmen verzichtet. Das Bildfeld wird zusätzlich von diffuser Hα-Emission durchzogen, die zu den äußeren Ausläufern des Emissionsnebels NGC 6188 gehört.
Die Animation links zeigt die Überblendung zwischen der reinen RGB-Aufnahme und der Hα-erweiterten Version, welche PCG 11 und die Ausläufer von Hen 2-169 erst vollständig sichtbar macht.

| Datum: | 14.07.-23.07.2025 |
| Optik: | Planewave CDK 14 mit Televue 0.8x Reducer |
| Öffnung: | 350 mm |
| Brennweite: | 2050 mm |
| Kamera: | QHY268M |
| Belichtung: | R:G:B 18:18:18 x 600 s Hα 116 x 600s |
| Aufnahmeort: | Gemsbock Observatory, Rooisand Desert Ranch, Namibia |
| Bearbeitung: | PixInsight, Photoshop |
| Durchmesser: | Hen 2-169: 2,5 Lichtjahre PCG 11: 8 Lichtjahre |
| Entfernung: | Hen 2-169: 8700 Lichtjahre PCG 11: 16000 Lichtjahre |



